EINE DOKUMENTATION
Ansicht der Bahnstation Haltern am Seee von der Straßenseite aus gesehen © Copyright 2000 - 2021 Burkhard Thiel Alle Rechte vorbehalten

Bau und Streckeneröffnung

Die Bauarbeiten für die Strecke von Wanne-Eickel nach Hamburg der Cöln-Mindener Eisenbahn- Gesellschaft (CME) begannen im März 1868. Am 1. Januar 1870 fuhr der erste Zug zwischen Pluto (später Wanne) und Münster.

Das Empfangsgebäude Haltern am See

Schon im Oktober 1869 wurde das Stationsgebäude feierlich eröffnet. Die Eröffnung der 10,37 Kilometer langen Teilstrecke wurde mit einem Festbankett am 31. Dezember 1869 gefeiert. Am 1. Januar 1870 begann der reguläre Bahnbetrieb. Das einstöckige lang gestreckte Fachwerkgebäude in Seitenlage besaß ein Satteldach. Der Eingang befand sich direkt unter einem kleinen Dachgiebel mit Bahnhofsuhr. Im Gebäude gab es Warteräume für die unterschiedlichen Klassen, Fahrkarten- und Gepäckschalter sowie weitere Diensträume. Im Bahnhof waren noch eine Güterabfertigung aus Holzfachwerk und ein Lokschuppen gebaut worden. Die Gleisanlage bestand aus fünf Gleisen sowie Abstellgleise zu dem Güter- und Lokschuppen.

Weitere Streckeneröffnungen, Ausbauten oder Änderungen

Der 41,12 Kilometer lange Streckenzweig der„Hamburg - Venloer Bahn“ nach Wesel ist am 1. März 1874 in Betrieb genommen worden. Am 1. Juli 1878 ging der gesamte Streckenzweig von Haltern über Wesel nach Venlo in Betrieb. 1873 erweiterte die CME das Empfangsgebäude auf die doppelte Größe. 1877 verlegte man zwei Gleisanschlüsse zu einer Dampfsägemühle und zu einer Sandgrube. 1880 wurde die Strecke nach Münster zweigleisig ausgebaut. Dabei erhielt die Bahnstation einen Rangierbahnhof und einen neuen Ringlokschuppen mit acht Lokständen sowie einer 20-Meter-Drehscheibe. 1894 benannte man den Bahnhof in Haltern (Westf) um. 1899 ersetzte ein neuer Güterschuppen den alten. 1901 eröffnete das Bahnbetriebswerk samt dem ersten Wasserturm. 1903 folgte der Bau eines weiteren Wasserturms und eine Wohnsiedlung für die Bahnbeamten im Nordwesten des Bahnhofs.

Das zweite Empfangsgebäude

1904 wurde der Rohbau des neuen Stationsgebäudes fertiggestellt und 1905 eröffnet. Der mehrgliedrige, traufenständige Putzbau besaß eine hohe Schalterhalle mit lichtdurchflutetem Giebelrisalit mit Sprossenfenstern und Eingangstüren. Im Osten war ein zweistöckiger Anbau mit Walmdach entstanden, der einen Giebelrisalit mit Treppenhaus zum Dachgeschoss mit abschließender Spitzhaube besaß. In Westen gab es einen einstöckigen Anbau mit Walmdach. Die Türen waren mit dekorativ getreppter Sandsteingliederung versehen worden, die Fenster besaßen Sandsteinrahmen. Ein separates Toilettenhaus mit Walmdach befand sich östlich des Stationsgebäudes. Am überdachten Hausbahnsteig hielten die Züge nach Wesel. Ein Personentunnel führte von der Schalterhalle direkt zum Mittelbahnsteig, an dem die Züge von Münster und Wanne fuhren. Der Bahnhof gehörte 1938 zur Rangklasse I.

Weitere Streckeneröffnungen, Ausbauten oder Änderungen

1921 wurde die Rheinbrücke bei Wesel durch die Alliierten gesprengt. Dadurch war die Strecke nach Venlo nicht mehr befahrbar. Der Bahnverkehr wurde nur noch bis Wesel durchgeführt. 1945 wurde der Bahnhof zu 60 % durch Bombenabwürfe beschädigt (lt. Erhebung der Hauptverwaltung der DB vom 8. Mai 1951). 1956 verlegte die Deutsche Bundesbahn (DB) das Bahnbetriebswerk nach Münster und ließ es in Etappen bis 2014 abreißen. 1960 ersetzte die DB die vorhandenen Stellwerke durch ein modernes. Am 28. September 1962 wurde der Personenverkehr auf der „Hamburg - Venloer Bahn“ eingestellt. 1968 baute die DB die Bahnstrecke über Marl nach Buer (Gelsenkirchen) aus. Bis Mitte der 1990er-Jahre wurde der Bahnhof umgebaut und das Empfangsgebäude sowie der Güterschuppen vermietet. Seit 2003 heißt der Bahnhof statt Haltern (Westf) nun Haltern am See.

Was hat sich verändert, was ist geblieben

Das Empfangsgebäude von 1905 unterscheidet sich deutlich von dem heutigen Gebäude. Mit Sicherheit wurde das Dach des Stationsgebäudes komplett erneuert. Der westliche Anbau wurde durch einen zweistöckigen Gebäudeteil ersetzt, der später nochmals erweitert wurde (die letzten drei Fenster im Obergeschoß passen nicht zum Baustil). Auch der östliche Anbau wurde vereinfacht und der Giebelrisalit entfernt.
Bahnhof 1905
Luftaufnahme
Bahnhof um 1895
Bilder Haltern (Westf)
PANORAMA Bahnhof 1895 Bahnhof 1905
Die Eisenbahn “kam” am 1. Januar 1870 nach Haltern am See. Also 35 Jahre nach der Eröffnung der ersten Eisenbahn von Nürnberg nach Fürth 1835. Haltern am See hatte zu diesem Zeitpunkt wenig Einwohner (Ende 2020 waren es 38.020 Einwohner).
Bahnstation Haltern am See Bahnstation Haltern am See Wanne-Eickel - Hamburg Wanne-Eickel Hbf Hamburg Hbf Haltern - Venlo Haltern am See Geldern Planung und Konzession